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Kinderheirat

Die Balami Community von Okharpauwa ist reich an kulturellen Aktivitäten. Viele dieser überlieferten Rituale unterscheiden sich stark von den übrigen Volksgruppen in Nepal. Aber es gibt Rituale, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Eines ist die Kinderheirat, bei der Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren verheiratet werden.

Wenn wir einen Blick in das historische Nepal vor 600 – 700 Jahren werfen, finden wir, dass die Kinderheirat in vielen ethnischen Gruppen üblich ist. Es war normal, dass Kinder im Alter von 7 bis zehn Jahren verheiratet wurden. Üblicherweise mussten die Kinder nach der Heirat im Haushalt der Schwiegereltern die Hausarbeit verrichten. Sicher waren diese Zustände nicht unbedingt glücklich. Im Laufe der Jahrhunderte verschwand die frühe Kinderverheiratung immer mehr. Nicht aber bei den Balami. Hier entstanden sogar besondere Formen der Kinderheirat. Üblich war, dass die Reservierung einer Braut bereits vorgenommen wurde wenn der Sohn fünf Jahre alt war. Die Brauteltern erhielten anschießend jedes Jahr Geschenke. 5 bis 7 Jahre nach der Reservierung fand die Hochzeit statt. Eine solche Reservierung war wie ein Schwur, wurde er gebrochen, war eine Kompensation zu zahlen. Dies galt in der männerdominierten Gesellschaft Nepals nur für die Eltern der Braut. Als vor 10-15 Jahren immer mehr Kinder die Möglichkeit zum Schulbesuch bekamen, wurde die Ausgrenzung der Mädchen immer deutlicher. Obwohl 1993 in Nepal ein Gesetz gegen Kinderheirat verabschiedet wurde, änderte sich wenig. Eine Heirat bedeutete, dass für ein Mädchen nur noch Hausarbeit und Kinderversorgung verblieb. Die damals einzige Primary School in Okharpauwa hatte nahezu nur Jungen als Schüler.

Es entstand ein Generationenkonflikt. Immer mehr Jugendlichen im Dorf wurde die veralterte Situation bewusst. Das Denken der älteren Generation war:"Mädchen sind nur für die Hausarbeit da. Sie haben sich zu Hause aufzuhalten und müssen die Arbeit im Haushalt von ihrer Mutter lernen. Das wird ihnen helfen, sich auf ihre Hochzeit vorzubereiten. Schulbildung ist nicht notwendig für sie". 2001 bildete sich eine Jugendgruppe, genannt Mahalaxmi Janagariti Yuva Parivar", kurz MJYP, die Veränderungen durchsetzen wollte. Anfangs waren die Aktionen dieser Gruppe, die sich in erster Linie gegen die Kinderverheiratung richteten, militant. Dann erkannte man, dass der Mangel an Schulbildung der Hauptgrund für die Rückständigkeit ist. Mit Hilfe der GTZ erfolgten erste Schritte, um viel mehr Kindern, insbesondere Mädchen, Schulbildung zu vermitteln. Dies erfolgte zunächst durch Gruppen, die außerhalb der Schule stattfanden. Erwachsenenaufklärung wurde intensiv betrieben.

Als Little Stars im September 2006 das Projekt Okharpauwa von der GTZ übernahm,  wurden bei den Balami noch 8 Heiraten von Paaren verzeichnet, bei denen ein Partner jünger als 14 Jahre war. Wir konnten die vorhandenen Ansätze übernehmen und ausbauen. Die Ergebnisse der vergangenen 5 Jahre sind in Zahlen messbar. 2006 waren es weitaus mehr Mädchen als Jungen die unsere „out of school“, die Klassen außerhalb der Schulzeit, besuchten. Heute gibt es „out of school“ nur noch im Dorfteil Ward 6, in den anderen Dorfteilen besteht kein Bedarf mehr, da nahezu alle Kinder die Schule besuchen. Allein der  Schulbesuch im Dorfteil Ward 8 ist um fast 80% gestiegen, dort steht jetzt die von Little Stars betriebene Mahalaxmi Schule.

Kinderheirat gibt es nicht mehr. In den letzten zwölf Monaten lag bei keinem Paar mehr das Alter unter 18 Jahren. Mädchen werden deutlich selbstbewusster. Wir setzen Zeichen dadurch, dass wir mehr Lehrerinnen als Lehrer beschäftigen. Der Weg ist noch lang, aber die Richtung ist deutlich eingeschlagen. Bei der heranwachsenden Generation wird die Tradition der Kinderheirat nicht mehr bestehen.

 

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